Quarantänebeginn

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Strategien für ein fröhliches Überleben während einer Quarantäne ...mit Corona-krankem Mann, zwei Kindern und einem Baby

Teil 1

Wahnsinn. Es ist eingetreten. Eines der schlimmsten persönlichen „worst-case – Szenarios“ in meinem Hirn, die Corona-Zeit betreffend. Ich hätte damit rechnen können, dass es irgendwann soweit sein wird: Dass wir eines Tages in Quarantäne müssen.

Ich habe immer gesagt: „Das DARF nicht passieren!“. Was für ein Horror, alle fünf zu Hause in unserer Wohnung „eingesperrt“ sein. Es war so eine schlimme Vorstellung, dass ich sie immer sofort weggewischt habe.

Und jetzt war sie da. Und ich wusste, ich muss ruhig bleiben.

Wieso, weshalb, warum?

Leider hat sich mein Mann angesteckt. Wir wissen nicht genau bei wem, wahrscheinlich war es in der Arbeit. Das Testergebnis kam bei einem Routinetest und traf uns völlig unerwartet.

Frag dich: „Verändert sich konkret wirklich so viel?“

Durch das Baby sind wir ja sowieso sehr viel in unserem trauten Heim. Auch wegen dem kalten, feuchten, grauen Wetter, das nun mal ein Winter in Wien mit sich bringt. Und selbstverständlich auch wegen dem derzeitigen dritten Lockdown. Aber es ist und bleibt ein Unterschied, ob man nicht raus soll oder nicht raus darf.

Cool bleiben

Erstmals war es wie ein Schock. Man will alle anrufen und es herumerzählen. Man weiß nicht, was man jetzt machen soll. Ich wusste auf jeden Fall, dass es besser war, diesem Impuls nicht nachzugeben.

Es ist ein bisschen so, wie wenn man erfährt, dass man schwanger ist. Keiner soll es wissen, man weiß, dass sich jetzt etwas massiv verändert hat, obwohl doch noch alles gleich zu sein scheint. Man will es rausschreien, aber man behält es doch für sich.

Und dann macht man weiter, so wie bisher, die Handgriffe des Alltags, die Worte an die Kinder, alles wie immer.

Und doch ist es anders. Es ist irgendwie aufregend! Und gleichzeitig spürt man Ehrfurcht vor dem was kommen könnte.

Na gut, ich gebe zu, es fehlt im Vergleich zur Neuigkeit, dass man schwanger ist natürlich das ganz Wesentliche. Nämlich das Hauptthema ist dort ja grundsätzlich, im besten Falle, ein sehr positives.

Und so war es auch hier klug, erstmal den Schreck zu überwinden, dann in Ruhe nachzudenken und sich erst danach um alles Weitere zu kümmern. Guter Tipp gegen ungebremstes Chaos.

Dafür sorgen, dass so viele wie möglich gesund bleiben

Meinem Mann ging es bald schlechter. Er bekam schreckliche Kopfschmerzen, war unglaublich müde und schwach und sah krank aus. Damit er nicht direkt bei uns ist, und auch damit er sich ausruhen kann, haben wir ihn von uns isoliert und in den anderen Teil unserer Wohnung geschickt. Dort gibt es ein eigenes Bad mit WC, das Zimmer meines Sohnes mit riesen TV-Gerät und natürlich einem super weichen, herrlichen Bett. Ich wollte, dass er sich ausruht. Ich hatte Bammel davor, was wäre, wenn es ihm schlechter gehen würde.

Früh schlafen gehen

Und der Bammel wurde am Abend des ersten Quarantänetages, als endlich alle schliefen, zu einem recht großen Angstmonster. Das macht die Müdigkeit.

Die Müdigkeit macht vieles, bei mir immer wieder mal abends viele schlechte Gedanken. Normalerweise ist es dann einfach das Beste schlafen zu gehen. All das gefühlte Unglück und Elend, die Sorgen, die unlösbar scheinenden Probleme so stehen lassen und schlafen gehen. Am nächsten Tag sind sie entweder weg oder um einige Kilos leichter geworden, so, dass sie kein richtiges Problem mehr darstellen und wenn, dann eines, das sich lösen lässt.

Aber an diesem Abend, da kam das Monster in mir hoch und es schleimte alles voll mit Gedanken wie: „Was, wenn es ihm schlechter geht? Was, wenn du dich um alle drei Kinder und dann auch noch um ihn kümmern musst? Was, wenn er ins Spital muss? Was, wenn er dich ansteckt? Wer kümmert sich dann um die Kinder? Was, wenn die Kinder auch krank werden?“. Und da kullerten schon die Tränen über meine Wangen. Und ich spürte, ich darf mich in diesen Gedanken auf keinen Fall gehen lassen. STOP. STOP! STOP! STOP. Ich wende an, was ich weiß. Ich wende an, was ich gelernt habe.

Fokus auf das was du willst richten

Ich denke an das, was ich WILL, nicht an das, was ich NICHT will. Sofort kam meine innere Fee herangeflogen und schubste das Angstmonster um. Sie schwingt ihren Zauberstab und sagt bestimmt: „Ich will, dass mein Mann sich rasch erholt und mir dann wieder helfen kann, ich will, dass der Rest der Familie gesund bleibt!“. BING. Ja. So wollte ich es. Und jetzt spoiler ich. Genauso war es letztlich auch. Nach einigen Tagen war er zwar noch etwas müder als sonst, aber er konnte mir wieder helfen. Er trug immer eine Maske, hat Hände gewaschen und desinfiziert, wir haben viel gelüftet, er blieb immer nur so kurz wie möglich und hat unten gegessen. Wir haben alle empfohlenen Hygienemaßnahmen vorbildlich eingehalten, auch wenn wir diese schriftlich erst kurz vor Quarantäneende erhalten haben.

Er hat sich im richtigen Moment wieder erholt, nämlich in dem, als ich nicht mehr 100% geben konnte.

Fortsetzung folgt...

Hinweis: 

Offizielle Anweisungen zu Quarantänebestimmungen entnehmen Sie bitte den entsprechenden Bestimmungen Ihrer Bundesregierung!