postbabypausenreturn

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Wiedereinstieg nach der Babypause

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Teil 1

Ich bin mittlerweile zweimal nach einer Karenz (Anm.: =Elternzeit) wieder in den Beruf zurückgekehrt.

Und es war jedes Mal anders als erwartet.

Ich dachte davor: „Wow, ich habe so vieles Fachliches vergessen, ich weiß gar nicht, ob ich dies oder jenes noch kann.“

Ich kann euch sagen, das war nicht das Problem. Man kommt so schnell wieder rein, das ist erstaunlich. Es hat sich so angefühlt, als wäre ich niemals weggewesen. Und das Wissen, das war noch da. Vielleicht länger nicht benutzt, aber trotzdem abruf- und anwendbar.

Außerdem kann man nachlesen, wenn man sich unsicher sein sollte.

Das Hauptproblem am Wiedereinstieg war ein ganz anderes, das wurde mir erst später bewusst. Mehr dazu folgt.

Auch die KollegInnen waren mir gegenüber stets fair. Ich habe meine Zeit als Mutter aber auch nicht in den Vordergrund gespielt. Ich bin nicht die Frau, die jedem von ihren Kindern erzählt, die andauernd betont, dass sie jetzt zu ihren Kindern nach Hause geht usw.

Ich denke, einige wussten gar nicht, dass ich überhaupt Mama bin. Das lag aber nicht nur daran, dass ich wenig Privates erzählt habe, sondern daran, dass ich immer woanders neu angefangen habe. Einmal war es wegen einem Umzug in ein anderes Bundesland und das zweite Mal, war ich mit meiner Ausbildung fertig und habe das Krankenhaus verlassen.

Somit war ich einfach in der Rolle „der Neuen“.

Ich habe während dem Turnus eine Kollegin erlebt, die kam aus der Karenz zurück und hat gefühlt JEDER Person, die sie gesehen hat, erzählt: „Ich war jetzt über ein Jahr lang nicht da und komme frisch aus der Karenz zurück.“

Niemand hätte wahrscheinlich von sich aus angenommen, dass sie unsicher oder vielleicht zweifelnd wäre. Aber dadurch, dass sie mir das direkt gesagt hat, ohne, dass ich sie davor kannte, bekam ich sofort das Gefühl, dass sie sich selbst sehr unsicher fühlt. Ich habe sie darauf angesprochen und es war natürlich auch so. Sie meinte: „Ich war soooo lange weg, ich weiß nicht, ob ich das noch kann!“

Also mein Tipp: Du bist ein Profi, egal wie viele Kinder du geboren hast, egal ob du 2, 12, 24 Monate oder länger weg warst. Sei mutig, stark und tritt auch so auf. Niemand denkt: „O Gott, die kennt sich nur mehr mit Windeln wechseln aus, was hat sie hier verloren!“.

Im Gegenteil: Ich dachte mir bei ihr zum Beispiel: „Wow, wie cool, wir haben wieder eine Stationsärztin und sie sieht sehr sympathisch und richtig fleißig aus!“.

Sogar, wenn du selbst schlecht über dich und deine Fähigkeiten denkst – zeig es nicht so sehr nach außen. Achte auf deine Worte, achte auf dein Auftreten. Dein Gegenüber wird dir das wiederspiegeln, was du rüberbringst, also gehe weise mit dem was du sagst und wie du dich gibst um.

Grundsätzlich freuen sich normal alle über Verstärkung an der Abteilung. Du kannst also ganz entspannt sein.

Um selbst ein gutes Gefühl zu haben, kannst du während der Babypause Vieles tun um „dran zu bleiben“. Du kannst Fortbildungen machen oder Dinge lesen. Was mir viel Spaß gemacht hat, war mir von Kollegen reale Fallgeschichten anzuhören. Außerdem finde ich, dass man sowieso immer Ärztin ist. Man wird vom Umfeld oft bei diversen Beschwerden kontaktiert. Ich helfe da gerne weiter und sag dann nicht: „Sorry, ich bin im Mutterschutz und arbeite gerade nicht.“

Ärztin zu sein, kann man einfach nicht abstellen und das ist auch gut so.