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Hauptproblem „Drumherum“

Teil 2

Was ich viel schwieriger fand, und was mir überhaupt nicht klar war, war das gute „Drumherum“. Der Job ist die eine Sache. Nur – wenn du auf einmal 36 Stunden oder mehr die Woche nicht da bist, wer macht dann die Arbeit, die du sonst in dieser Zeit erledigt hast?

Das Kind wird hoffentlich liebevoll betreut werden, dafür wirst du sicher sorgen.

Aber das kleine Wesen muss ja morgens geweckt werden, braucht Frühstück und Kuschelzeit. Es mag dann vielleicht spielen und nicht ins Bad gehen, um Zähne zu putzen. Oder sich anzuziehen. Vielleicht hast du zwei Kinder, die morgens streiten.

Was wenn ein Kind aufwacht und Fieber hat? Wer kümmert sich dann? Wer bleibt zu Hause? Du? Dein Partner?

Hast du jemanden anderen, der spontan einspringen kann?

Wer bringt das Kleine in den Kindergarten? Das alles sind alleine die Fragen zur Morgensituation. Und die hat viel Potential stressig, ungut und problematisch zu werden. Also bitte, mach dir vorab darüber viele Gedanken und suche nach flexiblen Lösungen. 

Nehmen wir an, du hast das geschafft, was bei allen anderen so einfach und selbstverständlich aussieht. Das Kind ist gut betreut und du bist in der Arbeit.

Wer räumt zu Hause auf? Wer macht die Wäsche? Wer kauft ein? Wer putzt? Wer macht die Organisation? Wer kocht?

Wer macht all die Arbeit, die du gemacht hast?

Freunde dich damit an, dass das nicht mehr du sein wirst. Es ist unmöglich, dass du auf einmal beide „Jobs“ übernehmen wirst. Glücklicherweise bekommst du für deinen Beruf ja Geld. Ich rate dir, investiere dieses Geld in Menschen, die deine Arbeit zu Hause zumindest teilweise übernehmen.

Es ist nicht fein, wenn du heimkommst, müde bist und dann anfangen kannst bis spät abends den Haushalt zu schupfen. Das kann man ab und an gerne tun, aber auf die Dauer wird es dir womöglich nicht guttun. Es reicht, wenn du dich nach der Arbeit um dein Kindchen kümmerst. Vielleicht arbeitet dein Mann weniger und übernimmt Vieles, vielleicht hast du eine Haushaltshilfe. Es gibt sehr viele Möglichkeiten. Aber bitte schau drauf, dass du diese anderen „Drumherumaufgaben“ abgeben kannst. Und bitte mach es, BEVOR du ins Struggeln gerätst.

Wenn du frei hast, dann schenke diese Zeit dir selbst. Nicht deinem Kind. Nicht dem Dreck in deiner Wohnung. Du wirst dafür gesorgt haben, dass dein Kleines gut aufgehoben ist. Es wird es gewohnt sein, z.B. um 15:00 Uhr abgeholt zu werden.

Wenn du dann mal früher daheim bist, dann mach bitte etwas für dich oder mach bitte einfach nichts. Sicher freuen sich die Mäuse mal früher geholt zu werden, aber sie freuen sich vielleicht noch mehr, wenn Mama super entspannt, ausgeruht und fröhlich ist.

Und es freuen sich auch alle, wenn die Wohnung ordentlich und geputzt ist, aber wenn Mama dafür so müde ist, dass ihr die Knochen weh tun, hat das keinem etwas gebracht, denn sobald die Bude betreten wird, ist sowieso wieder Ende Gelände mit Ordnung und Sauberkeit.

Meine Oma hat mal zu mir gesagt: „Weißt du Sandra, an meinem freien Tag, habe ich immer die Fenster geputzt. Jetzt sehe ich meine Schwiegertochter. Sie geht an ihrem freien Tag laufen und trifft ihre Freundinnen. Ich frage mich, warum ich nicht auch etwas anderes gemacht habe. Jetzt kann ich zwar sagen, dass meine Fenster immer sauber waren, aber wert war es das wohl nicht.“

Wenn ich alt bin, werde ich sicherlich mit viel Stolz und voller Freude sagen können: „Meine Fenster waren immer dreckig.“

Eines Tages wird unser Leben Großteils vorbei gewesen sein. Und es geht doch darum, dass wir glücklich waren! Dass wir Liebe gelebt haben! Zu uns selbst und in all den anderen Beziehungen.

Und so ein Wiedereinstieg ist finde ich sehr herausfordernd, vor allem wenn man gewohnt ist, vieles selbst und alleine zu machen. Deshalb ist es wichtig umzuorganisieren. Und sich selbst an eine wichtige Stelle in seinem Leben zu stellen.