Morgenwege

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Morgenroutine zum Glücklich sein

Part III von IV

Um halb sieben in der Früh Richtung Kindergarten aufzubrechen, klingt echt hart. Im Winter ist es da noch stockdunkel draußen. Aber es war mir sehr wichtig meine Ausbildung zur Ärztin für Allgemeinmedizin zu absolvieren. Wichtiger als auszuschlafen und im Hellen zu gehen.

Eine gute Mutter sorgt dafür, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Und ich habe mich auch bemüht, dass sie sich dabei so gut wie möglich fühlen.

Und somit geht es direkt mit meiner proaktiven Gestaltung eines glücklichen Morgens weiter: 

  1. Zeitpuffer gegen Stress mit einberechnen

Kurz nach sieben Uhr wollte ich abfahrbereit im Auto sitzen. Unser Kindergarten ist sehr nahe. Ich habe trotzdem relativ viel Zeit eingeplant, um in Ruhe hinzukommen. Denn ich wollte ja die Morgensituation entspannt haben. Sollte am Weg also ein Regenwurm liegen, dann können wir den getrost retten. Wenn wir einen schönen Stein finden, dann können wir den in Ruhe anschauen und ihn die Strecke zum Kindergarten vor uns her kicken. Das war mir so, so wichtig! Ich will meine Kinder nicht den Gehsteig entlang zerren und sie mit Sätzen wie: „Los, schneller, Mama muss zur Arbeit!“, bombardieren. Ich wollte ihnen zuhören! Sie haben so viel zu erzählen, denn sie freuen sich auf ihren Tag. Wenn dieser Raum da war, sodass Stress einfach gar nicht notwendig wurde, dann war es bezaubernd! Die Zeit für eine feste Umarmung, einen Kuss zum Abschied, ein: „Ich hab dich lieb, ich wünsch dir einen schönen Tag!“, war da.

Und das fühlt sich einfach unglaublich gut an.

  1. Genug Zeit für die Autofahrt einplanen

Und so saß ich dann pünktlich in meinem Superflitzer-Auto, völlig erfüllt, wie schön unser Morgen war. Alles auf diese Weise gewuppt zu haben, war für mich ein Erfolgsmoment, für den ich dankbar war und ihn kurz genoss.

Auch meine Autofahrzeit war so bemessen, dass ich möglichst stressfrei fahren konnte. Über der Brücke sein, vor dem Morgenstau. Noch zwei gute Parkplätze in der Nähe vom Krankenhaus zur freien Auswahl haben. Wie schlimm ist es, wenn ich vor einer roten Ampel innerlich ausflippe, dann noch wie wahnsinnig herum kurve, um einen Parkplatz zu finden, am Ende den Weg zu rennen und völlig fertig und verschwitzt in der Garderobe anzukommen. Kenn ich alles. Aber das passte nicht mehr zu meinem glücklichen WIE.

  1. Gute Musik statt schlechter Nachrichten

Dann schon lieber im Auto die Zeit nutzen, um glücklich zu sein. Ich habe eine „happy car songs“-Playlist. Im Radio spielt es meist nicht genau das Lied, das ich gerade hören will. Da es aber sowas von nicht egal ist, mit welcher Musik ich fahre, spielt meine Playlist meine aktuellen Lieblingssongs einfach rauf und runter.

 Ich will auch nicht schon in der Früh Nachrichten hören und erfahren, was auf der Welt nicht wieder alles Furchtbares passiert ist. Auf frauenfeindliche Sprüche und dumme Quizspiele als Beschallung verzichte ich ebenso liebend gerne. Ganz schön viel was da Nerviges wegfällt, die Werbeunterbrechungen sind da noch gar nicht erwähnt.

So viel Veränderung, nur weil man das Radio auslässt? Wie einfach ist das denn bitte?! Genial!

  1. Dankbarkeit

Während der Hinfahrt habe ich eine weitere Morgenroutine entwickelt. Und sie ist generell eines meiner wichtigsten Tools!  Es sind die „zwei Minuten Dankbarkeit“. Da pack ich das rein, was mir gerade in den Sinn kommt. Da darf ALLES dabei sein.

Danke, dass ich gesund bin. 

Danke, dass ich meine Arme und Beine bewegen kann. (Die Bedeutung davon versteht man besonders gut, wenn man mit Schlaganfall-PatientInnen zu tun hat.)

Danke, dass ich so eine tolle Wohnung habe, danke, dass ich Ärztin sein darf, danke, dass ich eine Ausbildungsstelle bekommen habe, danke, dass ich damit Geld verdienen kann, usw. usw.

Wenn man das macht, dann geht es gar nicht mehr, dass man sich schlecht fühlt.

Alles Liebe,

deine Sandra