Dr. Mama in den OP bitte!

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Erste Erlebnisse aus dem Operationssaal

Es war wie ein Wunder! Heute musste ich während eines normalen Arbeitstages tatsächlich die ungeliebte Stationsarbeit liegen lassen und in den OP gehen! Leider zwanzig Minuten vor Dienstschluss. Äußerst ärgerlich kann ich da nur sagen. Vor allem deswegen, weil ich dachte, dass mich mein Mann mit dem Auto abholt und pünktlich mit Kind und Kegel vor dem Krankenhaus auf mich wartet.

Dem war zum Glück nicht so, da er meine „bitte hol mich ab-SMS“ von der Früh dank meinem Software-Update gar nicht bekommen hat! Ich mache eigentlich nie Updates. Nicht vom Computer und nicht vom Handy. Da ich in letzter Zeit mehrfach deshalb gerügt wurde, habe ich mich gestern Abend dazu durchgerungen und das hab ich jetzt davon: Ich musste eine halbe Stunde länger wach bleiben um überhaupt meinen Wecker stellen zu können, da ich ja warten musste bis das Ding endlich fertig geladen war. Und jetzt sah auf meinem Handy alles anders aus und die Mobilen Daten wurden gekappt, somit kam keine SMS an. Weder von noch zu mir. Großartig.

In den OP gehen ist immer eine spannende Sache. Man weiß nie was einen erwartet. Und ich wusste nie wohin ich genau gehen soll und wie ich mich verhalten soll. Heute hatte ich meine Mitarbeiterkarte und meinen Garderobenschlüssel mit. Das ist schon mal ein guter Anfang, denn somit kam ich A in den OP-Bereich und B in die Damenschleuse, das ist der Bereich wo man sich umziehen kann und von weiß in das grüne bzw. bei uns blaue OP-Gewand wechselt. In meinem ersten Nachtdienst hatte ich die Karte mit, aber den Schlüssel nicht. Zum Glück hat jemand die Schleusentür offen gelassen, deshalb war es kein Problem bis zum Ort des Geschehens durchzudringen. In meinem zweiten Nachtdienst hatte ich auch keinen Schlüssel, leider war die Türe ordnungsgemäß geschlossen und somit musste ich in den Aufwachraum gehen und jemanden anbetteln, dass er mir aufsperrt. Machbar, aber lästig. Also wie gesagt heute hatte ich alles dabei: Schlüssel und Karte. Probleme machte mir nur der Mundschutz. Er wollte nicht halten, war entweder zu eng oder zu weit und als er dann richtig saß, fiel mir auf, dass ich ihn verkehrt herum an hatte. Die Innenseite nach außen. Hätte sicher für ein paar Lacher gesorgt. Also alles wieder aufmachen, neuen Mundschutz nehmen und das ganze Spiel von vorne. Wenigstens wusste ich diesmal schon, wo die Hosen und Shirts liegen, die mir auch so halbwegs passen! Im letzten Dienst habe ich irgendwas genommen, weil ich diese verwirrende Beschriftung nicht kapiert habe. Man könnte meinen das OP- Gewand hat die Größen, die auch im Rest der Erde üblich sind, also S, M und L (small, medium und large), aber nein, dem ist nicht so. Im OP gibt es Größe Null (size zero), Größe 1 (mäßige Presswurst) und Größe 2 (Schlabberlook mit Skaterhose die bis zu den Knien hängt). Also war ich in meinem zweiten OP-Abenteuer à la Presswurst unterwegs und heilfroh nicht länger als 15 Minuten in zu kurzer kneifender Hose verbringen zu müssen. Die Operation habe ich damals verpasst. War zu lange mit ambulanten Patienten beschäftigt.

Aber heute war es anders, da wurde ich sogar angerufen. Ich sollte dem Chefarzt assistieren. Im Operationssaal der Gynäkologie. Wie gesagt, um 13:10 Uhr. Der Chefarzt war ein toller Chirurg, der viel erklärt, das Ganze wäre also grundsätzlich nicht so schlimm gewesen. Nur welcher ist der Gyn-OP? An dem bin ich gleich mal vorbeigelaufen. Beschilderung Fehlanzeige. Hab dann aber bald wen angequatscht und gefragt wohin ich muss. Dort sehen ja alle gleich aus. Grünes Gewand, Haube und Maske vor Nase und Mund. Die komplette politisch korrekte Verhüllung ohne äußerlich erkennbaren Unterschied zwischen Primar und Reinigungskraft.

Also gut, letztlich fande ich den Gyn-OP. Dann kam die Frage auf, was ich jetzt tun sollte. Soll ich hinein gehen und sagen: „Hallo, hier bin ich, ich soll assistieren?“. Dann hätte sicher jemand geantwortet: „Ja, dann geh dich waschen.“. Waschen heißt, sich steril waschen, also eine chirurgische Händedesinfektion durchführen. Das dauert eine Zeit, wenn man es sorgfältig macht. Also ist es eigentlich eine dumme Ansage, wenn man zum Assistieren ungewaschen in den OP platzt. Also habe ich mich dazu entschlossen mich zuerst im Vorraum brav steril zu waschen. Dann bin ich in den OP hinein und tadaa die Patientin war sogar noch wach! Einerseits war es gut, dass ich nicht super happy rein bin und verkündet hab, dass ich assistieren soll- die Dame war aufgeregt und verängstigt, hat sogar geweint, also wäre meine Ansage echt völlig fehl am Platz gewesen.

Aber es war auch nicht besser steril gewaschen herum zu stehen ohne, dass überhaupt noch irgendetwas zum Operieren bereit gewesen wäre. Nicht mal der Chefarzt war da. Dafür eine Assistenzärztin, die sich Sorgen machte, dass ich statt ihr assistieren könnte. Was für ein Glück! Gerne habe ich ihr großzügig und heldinnenhaft den Vortritt überlassen und mich dezent vom Acker gemacht. Diese OP-Geilheit, die viele verspüren, werde ich wohl niemals nachvollziehen können. Vor allem nicht, nach Dienstschluss.

Also Ende gut alles gut, mit einer halben Überstunde trat ich den Heimweg an. Leider ohne Auto, Mann und Kinder, nur mit dem Zug. Habe beinahe vergessen mir ein Ticket zu kaufen, den richtigen Bahnsteig nicht gefunden, usw. Aber es gibt eben für alles ein erstes Mal. Für mich an diesem Tag öffentlich in die Arbeit fahren und sowohl Schlüssel und Karte gleichzeitig dabei haben, wenn man in den Operationssaal muss.

Und wie hast du dich angestellt, bei deinen ersten Malen im Operationssaal?

Es ist ein anderes Universum, aber wenn man sich ein bisschen eingewöhnt hat, kann es dort auch riesen Spaß machen. Aber dazu gibt es ein anderes Mal mehr!

Alles Liebe,

deine Sandra